Ist das FABER Glücksrad seriös?

In Postwurfsendungen und im Fernsehen, unter anderem im Abendprogramm der ARD und ZDF, wirbt die Firma Faber für ihr Glücksrad. Es verspricht Gewinne von bis zu einer Million Euro. Ein Gewinn sei sogar garantiert. Dazu erforderlich ist lediglich ein kostenloser Anruf. Klingt zu schön um wahr zu sein? Wir haben uns das Faber Glücksrad näher angeschaut.

Diesen Brief finden derzeit viele Deutsche im Briefkasten

Ablauf des Gewinnspiels

Der Veranstalter des Glücksrads ist die Faber Premium Gewinnspiel GmbH. Auf Faber.de wird der Teilnahmeablauf wie folgt beschrieben:

  1. Anrufen der kostenlosen Hotline 0800/2200001 und das Nennen der persönlichen Daten* und des Teilnahmecodes, z.B. GL120.
  2. Innerhalb von zehn Sekunden sagt der Anrufer “STOP” und bringt damit das Glücksrad zum Stoppen.
  3. Der Faber-Mitarbeiter nennt Ihnen den Gewinn, das sind laut Glücksrad entweder eine Million Euro, 500.000 Euro, 200.000 Euro, 50.000 Euro, 10.000 Euro, 500 Euro oder ein “attraktiver Überraschungsgewinn”

* = hier fragt FABER nicht nur den Namen und Adresse des Teilnehmers ab, sondern möchte auch geziehlt die Bankverbindung wissen. Ohne Angabe einer Kontoverbindung ist die Teilnahme nicht möglich. Dies haben wir selbst ausprobiert. Die Verbindung soll in erster Linie dazu dienen, mögliche Gewinne auszuzahlen. Doch tatsächlich dient sie auch als Zahlungsmittel für Faber-Produkte, siehe unten.

Faber Glücksrad Werbespot, Gewinn eine Million Euro
Faber Glücksrad Werbespot, gesichtet am 02.01.2020 in der ARD

Gewinne zu 99,9% “attraktiver Überraschungsgewinn”

Die erste Falle des Gewinnspiels ist die Fehleinschätzung bei der Gewinnchance. Beim Anblick des Glücksrads könnte man meinen, jeder Gewinn sei von der Wahrscheinlichkeit gleich. Bei sieben verschiedenen Gewinnen könnte man also glauben, die Chance auf eine Million Euro liegt bei 1 zu 6. Das wäre tatsächlich eine eine “Telefonspiel-Sensation” – wie Faber das Glücksrad bezeichnet.

Natürlich täuscht der Eindruck. Im Kleingedruckten – die Teilnahmebedingungen – steht, dass sich die Gewinne auf einen achtstelligen Nummernkreis verteilen (00.000.000 bis 99.999.999). Dies bedeutet, dass sich die Gewinne auf 100 Millionen Teilnahmen verteilen.
Es gibt 5307 Geldgewinne:

  • 1x 1 Million Euro
  • 1x 500.000 Euro
  • 5x 200.000 Euro
  • 50x 50.000 Euro
  • 250x 10.000 Euro
  • 5.000x 500 Euro

Die Gewinntabelle klingt groß, doch verteilt auf 100 Millionen ist die Chance auf einen Geldgewinn bei nur 0,013%. Fast alle Anrufer gewinnen also den “attraktiven Überraschungsgewinn”. Dieser ist natürlich kein Bargeld-Gewinn, sondern ein trickreiches Werbegeschenkt. So ähnlich war es übrigens beim Faber Gewinnspiel 2019 auch, damals wurde der Millionenwürfel “gewürfelt”.

Überraschungsgewinn ist Lotto-Abo

Hinter dem Überraschungsgewinn verbirgt sich eine kostenlose Probemitgleidschaft für ein Lotterie-Abonnement. In der Regel darf der Anrufer einen Monat in einer Spielgemeinschaft kostenlos mitspielen und muss dann zeitig kündigen.

Und darauf zielt das gesamte Faber Glücksrad-Gewinnspiel ab: man möchte neue Kunden für die Lotto-Abos der Firma Faber generieren. Dass das Abo dann schneller abgeschlossen ist als gedacht, liegt an dem cleveren Trick, dass noch bevor das Glücksrad gespielt wurde, der Teilnehmer seine Bankverbindung angeben muss. Die Bezahlung des Abos findet dann per Bankeinzug statt.

Nach unseren Erfahrungen zahlen Kunden bei gewerblichen Spielgemeinschaften (Lotto-Abos) immer einen stattlichen Aufpreis als bei der Einzelteilnahme am LOTTO-Kiosk, da kaum ein Kunde die tatsächlichen Kosten des Veranstalters mit der monatlichen Abogebühr gegenrechnet.

Dieser “Gewinnspieltrick” von Faber beobachten wird bereits seit vielen Jahren. Wir empfehlen, nicht anzurufen und die Werbepost (gelegentlich auch von OTTO, Baur, Bon Prix und Yves Rocher als “Geburtstagsgeschenk” versendet) in den Müll zu werfen.

Unser Kommentar

Scheinheilig halten wir die deutschen Lotteriegesellschaften, die diesem zweifelhaften Geschäft tatenlos zusehen. Hier merkt man, dass dem DLTB jeder Partner recht ist, um den Umsatz zu steigern. Stattdessen konzentriert man sich darauf, das Lotteriemonopol zu verteidigen und kundenorientierte Angebote zu verbieten. Dass man damit der eigenen Marke “LOTTO” mehr schadet als nutzt, scheint den Verantwortlichen nicht klar zu sein.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Stimmen, Durchschnittsbewertung: 4,25 / 5)

Loading...

Kommentare

  1. Oliver 03.01.2020
    • Ingeborg Gries 01.02.2020
  2. Karl-Heinz Fischer 05.02.2020
  3. H. Högl 10.02.2020
  4. Christian Nickel 13.02.2020
    • Sylvia Vogel 08.03.2020
      • Wick 24.03.2020
  5. Silvia Nüssle 27.02.2020
  6. Krüger 29.02.2020
  7. SynthieGirl6 06.03.2020
  8. H.S. 29.03.2020
  9. Willi 31.03.2020

Kommentiere den Artikel

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.