Wenn ein Millennial beim NDR BINGO! mitspielt – ein besonderer Erfahrungsbericht

Bingo, Erfahrungsbericht 2

BINGO ist nicht nur ein Zahlenspiel, bei dem vorgelesene Zahlen in einem Zahlenfeld angekreuzt werden. BINGO zählt für viele Leute zur festen Sonntagstradition. Dieses Spiel ist eines der großen Ausnahmen im deutschen Fernsehen. Während die Ziehung der Lottozahlen nur noch online übertragen werden, zelebriert BINGO die Bekanntgabe der Zahlen in einer einstündigen Livesendung mit Publikum. Eine wahre Seltenheit. Und zugleich eine erfolgreiche: „BINGO! – Die Umweltlotterie“ zählt zu den beliebtesten Sendungen im NDR Fernsehen.
Doch etwas haftet der Sendung an: das Image. BINGO ist hierzulande als „Senioren-Unterhaltung“ verschrien. Dabei ist die Lotterie durchaus attraktiv: auch hier gibt es einen Jackpot, der gelegentlich die Millionengrenze überschreitet. Die Gewinnchance auf den Jackpot – ein Dreifach-Bingo – liegt bei 1 zu 1,3 Millionen. Die Chance ist 107 mal höher als bei Lotto 6 aus 49.

Viel zu jung für Bingo (?)

Eigentlich ein guter Grund, auch mal mitzuspielen. Und hier beginnt ein besonderer Erlebnisbericht. Ich bin Simon, 24 Jahre alt, Bielefelder Student und eigentlich viel zu jung für BINGO. Da sich die Chance auf ein BINGO-Los anbot – immerhin sind die Lose nur in Norddeutschland verfügbar – schnappte ich mir ein Los. Außerdem, so preiste Michael Thürnau es in der Radiowerbung an, warten 820.000€ im Bingo-Jackpot. Wer Michael Thürnau genau ist, erfahre ich dann am Sonntag.

Eine Stunde gute Laune

Sonntag Nachmittag, ich schalte das NDR Fernsehen an. Gespannt sitze ich also auf der Couch, das Bingolos liegt bereit zum Ankreuzen, der Kulli kreuzwillig in der rechten Hand. Um Punkt 17.00 Uhr geht es los. Offensichtlich habe direkt eine Spezialausgabe für mein Experiment gewählt: Moderator und „Bingobär“ Michael Thürnau hat Geburtstag und wird von seiner Co-Moderatorin Jule mit einer übergroßen Torte beschenkt. Wobei, so groß wirkt die Torte angesichts des Bauchumfangs vom Bingobär nicht. Es hat wohl seinen Grund, warum man ihn „Bingo-Bär“ und nicht „Bingo-Gazelle“ nennt.

Keine Minute ist also vergangen und schon ist das erste Geschenk verteilt. So soll es dann auch die Stunde weitergehen, ein Preis jagt den anderen, die Stimmung im Studio ist prächtig. Apropos Studio: dem Ruf der „Senioren-Unterhaltung“ wird man angesichts des nicht mehr ganz so jungem Publikums leider gerecht. Und auch die zwei Studio-Kandidaten Hartmut und Burkhard müssen sich um das Berufsleben keine Sorgen mehr machen.

Los geht’s. Knacke ich den Bingo-Jackpot?

Nun wird die Umweltlotterie erklärt. Alles verläuft wie bekannt: vorgelesene Zahlen werden, wenn sie sich auf den Tippschein befinden, angekreuzt. Hat man eine waagerechte, senkrechte oder diagonale Linie aus fünf Kreuzen heißt es „Bingo“ und man kann die 01802/246462 anrufen, um im Studio ein Gewinnfeld zu öffnen. Natürlich schaffen es nur wenige Spieler, ins Studio durchgestellt zu werden. Ein zweistelliger Geldgewinn ist schon ohne Anruf sicher.

Mein Kulli schwebt über den Bingo-Schein, während Michael Thürnau die ersten zehn Zahlen bekannt gibt. B 7, N 40 und O 73 waren meine Treffer. Sieben Zahlen führten allerdings ins Leere. Ich vermute mal, jetzt wird es schon eng mit den BINGO-Jackpot (Dreifach-Bingo).

Nun, vielleicht gewinne ich mit einem Einfach-Bingo noch eine Reise. Das ist der populärste Gewinn in dieser Sendung. Co-Moderatorin Jule liest Urlaubskarten von glücklichen Bingo-Spielern vor. Wann war ich eigentlich das letzte Mal im Urlaub?

Es menschelt an jeder Stelle

Nach zehn weiteren Zahlen gibt es den ersten Zwischenstand. Der altbekannte Hinweis „Alle Angaben ohne Gewähr.“ erinnert mich daran, dass ich gerade tatsächlich eine Lotto-Sendung schaue. Ansonsten menschelt es an jeder Stelle. Thürnau schwärmt von der Bingosendung von letzter Woche, wo offensichtlich ein Paar zweimal durchgestellt wurde. Erst gewann sie eine Reise, zwei Telefonrunden später konnte auch er eine Reise ergattern. Ein verrückter Zufall. Die beiden haben den Bingobär daraufhin zum Kuchenessen eingeladen.

Das Telefonspiel beginnt

Eine Viertelstunde nach Sendungsbeginn wird der erste Telefonspieler mit Einfach-Bingo durchgestellt. Aus einer „Gewinnwand“, die auch wie ein Bingofeld aufgebaut ist, wählt Wolfgang die I 3 und gewinnt einen Aufenthalt im „Bier-Kulturhotel Schwanningen“ inklusive Fotokamera. So weit so nett.

Wann habe ich das letzte Mal meine Oma angerufen?

Die zweite Telefonkandidatin Heike macht mich plötzlich betroffen. Im Smalltalk erzählt sie dem Bingobären, dass am Wochenende bei ihr nichts los sei. Michael Thürnau: „Und jetzt Bingo spielen?“ – Heike „Ja, wie immer alleine.“ Ohje, auf einmal werden wir mit dem persönlichen Schicksal einer einsamen Dame konfrontiert. Wann habe ich das letzte Mal meine Oma angerufen? Die Gute-Laune-Show nimmt für mich ein abruptes Ende. Zum Glück gewinnt Heike gleich irgendeine Reise.

Doch ausgerechnet Heike trifft auf ein Spezialfeld. Anstatt eines Einspielers, der das schöne Hotel oder den Kurort präsentiert, gibt Michael mit nervöser Stimme an Jule weiter. Diese wiederum hält ein Seil in der Hand, der ein wenig an einem Henkersknoten erinnert. Jule fragt Heike dann allen Ernstes, wozu man so ein Seil denn gebrauchen könnte. Wie bitte? Wozu raten diese beiden Bingoteufel gerade meiner lieben Heike??

Happy End für Heike

Nun gut, wahrscheinlich bin ich der einzige in dieser Heile-Welt-Sendung, der auf den perfiden Gedanken kam. Heike gewann dann nämlich eine Asien-Kreuzfahrt mit Seeknotenkurs im Wert von 12.300€. Das ist sogar der Hauptgewinn des Abends. Damit endet mein Kennenlernen von Heike mit einem Happy End. Ich bin erleichtert.

Bingo Superchance

Nach einigen Telefonaten wurden ein paar Superchancen-Gewinnnummern vorgelesen. Diese sind die Serien- und Losnummer, die man links senkrecht auf dem Bingoschein findet. Verlost wurden zwei Reisen, meine Serien- und Losnummer war nicht dabei. Tja, für mich bleibt das Reisebüro “Bingo” wohl geschlossen.

Das unglaubliche Bingo-Quiz

Nach einigen Telefonaten mit Einfachbingo-Gewinnern startet “Das unglaubliche Bingo-Quiz”, geleitet von Jule. Da Bingo eine Soziallotterie mit Umweltthema ist, drehen sich auch alle Fragen um die Natur- und Tierwelt. Ich muss zugeben: die Fragen sind schwer, ich hätte selbst raten müssen. Das taten auch Hartmut und Burkhard, was diesen Teil der Sendung irgendwie trivial macht.

Für die Teilnahme am Bingo-Quiz muss man sich zuvor telefonisch unter 01375/59 1000 registrieren. Mit viel Glück wird man ins Studio nach Hannover eingeladen. Ich stelle mir gerade vor, wie ich dort säße und den Altersdurschnitt radikal sinken lassen würde. Ich glaube, ich spar mir die Teilnahme lieber.

Die Quoten zum Schluss

Zahlen, telefonieren, freuen. So ungefähr wiederholt sich immer wieder der übrige Teil der Sendung. Mein Bingolos schafft es leider nicht mal zum Einfachbingo, es fehlten selbst am Ende noch mindestens zwei Kreuze. Gegen Ende der Sendung stellt Michael die Glaskugel vor, der die Anzahl der Bingogewinner vorstellt. Daraufhin werden die Quoten für “Einfach-” und “Doppelbingo” vorgestellt. Michael kommentiert die Gewinnbeträge als “ganz normale Quoten”.

Ein Einspieler über die Entenküken-Aufzuchtstation, die von Bingo-Spielerträgen gefördert wird, läuft vor der Bekanntgabe des Jackpot-Gewinners. Doch auch diese Woche bleibt der Bingojackpot ungerührt, sodass nächste Woche eine ganze Million im Topf liegt.


Was soll ich zusammenfassend sagen? Die Sendung wagt es nicht, jüngere Leute anzusprechen. Das finde ich sogar in Ordnung, schließlich nimmt die Sendung für viele Zuschauer eine wichtige Rolle im Leben ein. Häufig prahlen die Teilnehmer, schon seit Jahrzehnte treue Spieler zu sein. Und auch ich muss zugeben, dass die Sendung seinen Charme besitzt. Besonders der Bingobär Michael Thürnau ist faszinierend. Er kennt Norddeutschland wie seine Hosentasche und kann zu jedem Ort etwas erzählen.

Ein letzter Tipp zum Schluss: Wer auf die Telefonverlosung verzichten kann, muss übrigens nicht die Bingosendung im Fernsehen verfolgen. Die Zahlen findet man auch problemlos online. Doch dieses besondere Bingo-Erlebnis fehlt.

Quelle TV-Bilder: NDR.de
 

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2 Kommentare

  1. karinra 24.09.2017 um 20:13 -  Antworten

    Ich habe Simons Bericht gerne gelesen….er ist freundlich und ehrlich verfasst. Die Sendung muss so bleiben….sie hat Charme…..produziert —-der Charme—-vom Bingobär…..Michael. Ohne ihn kann man sich die Sendung sparen….es sei denn Hinnerk B. moderiert…..dann ist ähnlich viel Charme. Natürlich ! Ihr Jungen könnt doch mitmachen? Umweltthemen gehen jeden etwas an. Nur zu.

  2. Dieter u Uschi ab und zu mit Feierabendmitgliedern 01.10.2017 um 10:34 -  Antworten

    Die Angaben von Karinra kann ich in der Form bestätigen, dass diese Sendung für jung und alt ist und die Umwelt auch davon profitiert. Man spürt aber auch, dass der Biongobär “Michi” in die Jahre kommt. Wenn Hinnerk B. dieses moderiert ist noch etwas mehr Charme und eine jüngere Motivation dabei, das man beim Ansehen spürt. Wir schauen und spielen die Sendung von Beginn an mit – haben auch schon diverse 1er gewonnen, mit dem Durchkommen beim Anrufen ist es ab und zu sehr schwierig. Bitte, die Sendung sollte man – vielleicht mit kleinen Änderungen der Gestaltung – so lassen. Die Senioren haben daran den Spass und die Unterhaltung, das wir in unserer ab und zu tristen Alltagswesen benötigen. Bleibt so, wir sind auch weiterhin dabei.

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